Der Luchs – Ärgernis oder Chance?

Hegegemeinschaft Spangenberg hilft im März 2008 in Eubach bei der Errichtung einer Streuobstwiese.

Hegegemeinschaft Spangenberg errichtet im Oktober 2007 in der Feldgemarkung Landefeld 3 Feuchtbiotope.
Streuobstwiesen in der Hegegemeinschaft Spangenberg 2003

Offenlandartenprojekt


Der Luchs – Ärgernis oder Chance?

Der Luchs galt in Hessen seit dem frühen 19. Jahrhundert als ausgerottet. Spätestens ab den 90 er Jahren verdichten sich allerdings die Hinweise, dass der Luchs sich insbesondere in Nordhessen wieder etablieren will. Ausgehend von ersten Sichtungen aus dem Ringau im Werra-Meißner-Kreis seit 1999 häufen sich ab 2000 auch die Meldungen aus dem Schwalm-Eder-Kreis, Landkreis Kassel und dem Landkreis Hersfeld/Rotenburg. In den ausgedehnten Wäldern des Riedforstes, des Meißner/Kaufunger Waldes und Knüll findet er offensichtlich optimale Bedingungen sich dort heimisch zu fühlen.

Der erste gesicherte Nachweis im Riedforst durch Fotos gelang im Bereich des Forstamtes Hessisch Lichtenau im Jahre 2008. Ein Forstbeamter hatte anlässlich eines Waldganges die Gelegenheit, diesen auf wenige Meter mit seinem Handy zu dokumentieren. Seit Herbst 2009 konnte ein im Harz besenderter Luchskuder namens M2 nachgewiesen werden, der über das Eichsfeld in unserer Wälder zugewandert ist. Im Jahre 2010 machte langsam die Batterie des Senders schlapp, so dass sich die zuständigen Mitarbeiter des Nationalparkes Harz dazu entschlossen ihn einzufangen. Im Raum Quentel gelang dies auch zunächst. Bevor jedoch der Sender gewechselt werden konnte, gelang dem Luchs die Flucht aus der Falle. Aufgrund von Sichtungen konnte er aber danach immer wieder nachgewiesen werden. Im Rahmen von Ansitzen gelangen im Verlauf der Zeit mehrere Aufnahmen von verschiedenen Luchsen, insbesondere im Forstamt Melsungen. So wurde dort im Winter 2010/2011 eine Luchsin mit 3 jungen und anschließend ein Kuder gesehen. Einem Jagdgast gelang im Herbst 2010 eine Filmaufnahme einer Luchsin mit einem fast adulten Jungen. Seit Herbst 2010 findet in den Bereichen der Forstämter Melsungen und Hessisch Lichtenau eine flächendeckende Untersuchung durch das Aufstellen von 50 Fotofallen statt. Auch dieses führte bisher zu 2 sicheren Fotonachweisen. In eine weitere Fotofalle tappte ein Luchs, die eigentlich einer Untersuchung für Wildkatzen durch die Universität Göttingen im Riedforst galt. Im Winter 2010/2011 gelang einem Jagdaufseher im Landkreis Kassel eine Aufnahme eines Luchses, als er mit seinem Hund einen Rehriss kontrollieren wollte. Anlässlich einer Drückjagd im Forstamt Melsungen wurde M2 durch einen Teckel auf einen Hochsitz gejagt und dort gestellt. Der Hundeführer konnte ein entsprechendes Beweisfoto machen, als er den Standlaut anging. Dies stellt nur eine kleine Auswahl von sicheren Nachweisen der Luchspopulation und zwar verschiedener Individuen in Nordhessen dar, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sich der Luchs langsam hier nach fast 200 Jahren wieder heimisch fühlt. Bei den zuständigen Luchsbeauftragten aber auch dem Unterzeichner gingen immer wieder Sichtungsmeldungen und Meldungen über Rissfunde ein, die leider nicht allsamt dem Monitoring des Arbeitskreises Hessenluchs weitergemeldet wurden. Zuletzt gelangen einige spektakuläre Aufnahmen eines Luchskuders im Raum Spangenberg an einem Rehriss Ende Mai 2011.

Anlässlich der Vielzahl von Hinweisen werden aber auch immer wieder besorgte und kritische Stimmen, insbesondere auch aus der Jägerschaft laut, die ab und an in Vorurteile münden. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen einmal auch unter Berücksichtigung der mit der Wiedereingliederung verbundenen Nachteile eine Lanze für den Luchs zu brechen und zu versuchen die teilweise sehr emotional geführten Diskussionen zu versachlichen. Als Funktionär eines Kreisverbandes des LJV und aktiver Jäger verstehe ich den Luchs als Chance sich aktiv in den Naturschutz einzubringen und entsprechendes Engagement zu zeigen. Wir sollten dies nicht nur den anderen großen Naturschutzverbänden überlassen, sondern auch hier entsprechende Mitinitiative ergreifen. Bei allen Meinungsverschiedenheiten in vielen Belangen, zeigt sich im Schutz des nach wie vor vom Aussterben bedrohten Luchs, aber auch der Wildkatze, ob wir unseren Auftrag als anerkannter Naturschutzverband gerecht werden und hier zur sachlichen Zusammenarbeit fähig sind. Mit dem AK Hessenluchs und der Luchshegegemeinschaft Vogelsberg sind hervorragende Beispiele für eine praktische, an der Sache orientierter Zusammenarbeit auch ideologisch teilweise weit auseinanderliegender Verbände gegeben. Der Luchs unterliegt neben vielen anderen wildlebenden Tierarten dem Jagdrecht. Uns Jägern als aktive Naturschützer gebührt deshalb die gesetzliche Aufgabe der Hege, auch solcher Wildarten, die ganzjährig geschont sind. Dies sollten wir uns immer wieder vor Augen halten, wenn wir unseren gesetzlichen Auftrag ernst nehmen wollen.

Um die Verhaltensweise des Luchses weiter zu erforschen, insbesondere in Erfahrung zu bringen wie viele Individuen tatsächlich mittlerweile hier Ihre Spur hinterlassen, können gerade wir Jäger einen wichtigen Beitrag leisten. Melden Sie jeden verdächtigen Riss unverzüglich dem für Ihren Landkreis zuständigen Luchsbeauftragten, den sie unter der Internetseite des Arbeitskreises Hessenluchs in Erfahrung bringen können (http://www.luchs-in-hessen.de/beauftragte.html). Keinesfalls sollten sie einen Riss beseitigen oder wegziehen. Damit würde eine einmalige Chance auf weitere Aufnahmen durch Fotofallen verloren gehen, zumal der Luchs sich dann erneut um Nahrung kümmern müsste. In der Regel kehrt er mehrfach zum Riss zurück, um diesen zu fressen.

Deutliche Hinweise für einen Luchsriss sind ein unter dem Kiefer befindlicher Kehlbiss, der in der Regel unterblutet ist, wobei der Abstand der Reißzähne ca. 3 - 3,5 cm beträgt. Häufig ist der Riss durch Laub oder Gras verblendet. Der Luchs frisst selten Innereien, so dass Anschnitte sich im Wesentlichen auf den Rücken, die Keulen und Blätter konzentrieren. Natürlich ist das nicht immer ganz einfach zu bestimmen, weil auch andere Nahrungskonkurrenten wie Schwarzwild, Fuchs oder Rabenvögel den Riss finden und damit dem Luchs streitig machen und die eindeutigen Hinweise verwischen können.

Der Luchs weist eine Schulterhöhe von 50 bis 70 cm und ein Gewicht zwischen 17 und 30 kg auf. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 80 bis 120 cm. Weibliche Tiere sind (etwa 20 Prozent) kleiner als die Männchen. Damit hat der Luchs in etwa die Statur eines Rehs oder eines Schäferhundes. Luchse sind Einzelgänger. Die Reviergröße hängt von der Anzahl der Beutetiere ab und variiert beim Kuder zwischen 12 000 und 40 000 ha, bei der Luchsin zwischen 10 000 und 15 000 ha. Das Revier eines Männchens kann sich an den Rändern mit den Territorien mehrerer Weibchen überschneiden. Das macht den Raumbedarf unübersichtlich. Rechnerisch wird daher meist von einem Luchs auf 10 000 ha (100 Quadratkilometer) ausgegangen (Quelle: www.luchs-in-hessen.de) Nachweise von M2 beweisen allerdings, dass Territorien noch erheblich größer sein können. So wurde er im Söhrewald, am Rande des Knüllwaldes und Kaufunger Wald telemetriert. Letzte Sichtmeldungen wiesen ihn im Bereich Witzenhausen aus. Zeigt dies, wie groß ein Territorium sein kann. Die Meldungen weisen auf eine Reviergröße hin, die deutlich über 60.000 ha liegen wird.

Die Ranzzeit der Luchse liegt je nach Region zwischen Februar und April. Die Tragzeit beträgt zwischen 67 und 74 Tagen. Im Mai und Juni werden dann zwischen einem und fünf Junge gesetzt. Auch dies hängt vom Nahrungsangebot ab. Der Luchs ist reiner Fleischfresser. Seine wichtigste Nahrung sind Rehe, gelegentlich auch schwache Rotwild-Kälber. Er erbeutet hiervon zwischen 50 und 60 im Jahr - also etwa ein Beutetier in der Woche. Der Luchs ist nicht gefährlich. Menschen geht er aus dem Weg. Auch Hunde werden in der Regel gemieden. Gerät ein Luchs allerdings auf der Flucht vor einem Hund in eine ausweglose Situation, wird er sich dem Verfolger stellen. Das gilt auch, wenn Jungluchse in Gefahr sind oder der Riss verteidigt werden muss (Quelle: www.luchs-in-hessen.de).

In einem durchschnittlichen Luchsrevier (10.000 ha) werden durch uns Jäger etwa 600 Rehe pro Jahr erlegt (6 Rehe pro 100 ha). Bei einem Nahrungsbedarf von 50 bis 60 Rehen wären das gerade einmal 10 % von der Jahresstrecke, die ein Luchs erbeutet. Erfahrungswerte aus dem Harz belegen allerdings, dass sich seit der Auswilderung der Luchse 1999 die Rehwildstrecken dort nicht maßgeblich verändert haben. Die Streckenergebnisse erreichten beim Rehwild z.B. im LK Goslar im JJ 09/10 den 20jährigen Mittelwert und lagen in der Saison 2010/11 nur leicht darunter. Ähnliche Trends gibt es auch in den anderen Harzregionen. Die Rehwildstrecken schwanken allerdings im Harz winterbedingt seit jeher sehr stark (Auskunft des Luchsbeauftragten Nationalpark Harz). Auch bei uns zeigen die Abschussstatistiken keine signifikanten Unterschiede zu den vorangegangenen Jahren, so dass angenommen werden kann, dass der Luchs keinen maßgeblichen Einfluss auf die hiesige Rehwildpopulation hat.

Aus subjektiven Erfahrungsberichten wurde allerdings mitgeteilt, dass sich das Verhalten des Rehwildes in einer geringeren Sichtbarkeit und einer erhöhten Vorsicht des Rehwildes ausdrücken soll, wobei dies wissenschaftlich nicht gesichert ist und auch andere Ursachen, wie beispielsweise die dieses Jahr lang anhaltende Trockenheit oder ein hoher Rotwildbestand haben könnte. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Im Ergebnis, so meine ich, muss man anbetracht der Wiedereinbürgerung des Luchses um die Rehwildpopulation keine Bange haben und sollte dem Luchs die Möglichkeit geben seinem natürlichen Verhalten nachzugehen. Die Rehwildverluste durch uns Menschen außerhalb der Jagdausübung, beispielsweise durch den Straßenverkehr, sind um ein Vielfaches höher.

Wir sollten uns dem Luchs auch deshalb annehmen, um die von uns angestrebte Vernetzung von Lebensräumen auch zum Wohle anderer Wildarten, wie beispielsweise des Rotwildes, weiter zu fordern. Es wäre wildbiologisch wünschenswert nicht nur dem Luchs die Möglichkeit zum Wandern zu geben, sondern eben auch anderen Wildarten. Anbetracht des bisher nicht umgesetzten Bundesprogramms „Wiedervernetzung von Lebensräumen“, kann der Luchs damit, neben der räumlich eng begrenzten Bewirtschaftung des Rotwildes entgegenzuwirken; auch ein Argument zur Durchsetzung der Querungshilfen sein (siehe auch gemeinsame Pressemitteilung des DJV, BUND und NABU aus Mai 2011). Insgesamt ist der Luchs als die größte heimische Raubkatze eine Bereicherung der Fauna und zugleich ein Weiser der Biodiversität unserer heimischen Wälder (Text und Bilder: Ullrich Goetjes - Vorsitzender Kreisjagdverein Hubertus Melsungen e.V.).

Nach oben


Hegegemeinschaft Spangenberg hilft im März 2008 in der Feldgemarkung Eubach bei der Errichtung einer Streuobstwiese.

Bei schönem Wetter konnte die Streuobstwiese unter Mithilfe der Hegegemeinschaft Spangenberg und Jägerschaft von Eubach sowie einem Imker gepflanzt werden. Die lokale Presse war ebenso vor Ort und berichtete über Biotopverbundflächen und dem Gewinn für Flora und Fauna. Es ist für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit, um die Entwicklung der landschaftlichen Agrarnutzung für unser Wild und alle wildlebenden Arten positiv zu beeinflussen. Dazu braucht es Flächen, die aus der Nutzung entnommen werden und biotopgerecht hergerichtet werden müssen. Von dieser Streuobstwiese werden Singvögel, Insekten, Bienen, Hasen, Rehe und viele weitere Arten profitieren. Solche Arbeitstreffen haben auch den Nebeneffekt, dass die überregionale Zusammenarbeit unter den Landnutzern mit Erfahrungsausstausch bereichert werden kann. Dem zu Folge ist hier eine Förderung über die Naturlandstiftung Schwalm-Eder iniziiert worden. Allen Beteiligten und Förderern, die zu dem Gelingen beigetragen haben, einen herzlichen Dank.
Markus Nolte

Nach oben


Hegegemeinschaft Spangenberg errichtet im Oktober 2007 in der Feldgemarkung Landefeld 3 Feuchtbiotope.

Die Jäger sind nicht nur Heger für das Wild, sondern auch als aktive Naturschützer für die heimischen Wildtiere, Amphibien und seltene Pflanzen tätig. Dieses hat sich die Hegegemeinschaft Spangenberg unter Führung des ersten Vorsitzenden Alfred Theis seit Jahren auf ihre Fahnen geschrieben. Schon in vielen Revieren der Hegegemeinschaft Spangenberg wurden Lebensraumverbesserungen für Tiere und Pflanzen durch die Jäger ins Leben gerufen. Zum Beispiel das Anlegen von Streuobstwiesen oder Feldholzinseln. In diesem Jahr bot sich das Anlegen von Feuchtbiotopen in Landefeld auf einer Nasswiese an. Hierfür wurde von unserem Naturschutzbeauftragten Achim Röse ein Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde für das Anlegen von 3 Feuchtbiotopen gestellt. Nach der Genehmigung wurde im Sommer mit den Arbeiten begonnen und ein Bagger hob die 3 Feuchtbiotope aus. Im Anschluss wurde eine dünne Tonschicht eingebracht, damit der Wasserstand gewährleistet bleibt. Vergangenen Samstag trafen sich nun 10 Jäger der Hegegemeinschaft zum bepflanzen der Feuchtbiotope. In der Flachwasserzone werden im Frühjahr und Sommer Froschlöffel, Sumpfdotterblume und Schwertlilie erblühen. In die Seichtwasserzone wurden Kalmus und Igelkolben gepflanzt und dank Ullrich Götjes, der sich mit einer Watthose in die Tiefwasserzone begab, konnten hier die weiße Seerose und die große Teichmummel gesetzt werden. Zum Schluß wurden noch ein paar Weidenstecklinge gesetzt und das Werk war vollendet. Wieder ist es der Hegegemeinschaft Spangenberg gelungen, für Flora und Fauna eine Biotopverbesserung durchzuführen. Dafür herzlichen Dank an die Helfer.
Achim Hinz

Nach oben


Streuobstwiesen in der Hegegemeinschaft Spangenberg


Während der Jahreshaupversammlung 2003 von der Hegegemeinschaft Spangenberg wurde unter anderem auf die durchgeführte Naturschutzaktion in Mörshausen verwiesen, wo eine Streuobstwiese mit 53 hochstämmigen Obstbäumen gepflanzt wurde. Es ist die vierte Streuobstwiese neben den Revieren von Eubach, Herlefeld, Mörshausen und dem Bromsberg. Ebenfalls sind in den letzten Jahren in Landefeld und Herlefeld Feldholzinseln angelegt worden. Dieser praktizierte Naturschutz unterstützt die gesamte Tier und Pflanzenwelt in der flurbereinigten Landschaft, von der Biene bis zum Reh. Neben organisatorischen Hegeringmaßnahmen ist ein weiteres Naturschutzprojekt, das Offenlandartenprojekt, für die nächsten Jahre als eine Verbesserung der Lebensbedingungen aller Lebensgemeinschaften gestartet worden.

Nach oben


Offenlandartenprojekt


Zum Abschluss der Jahreshauptversammlung 2003 der Hegegemeinschaft Heiligenberg wurde ein Informationsbericht über das Offenlandartenprojekt des Landesjagdverbandes Hessen von Herrn Friedhold Fischer aus Felsberg, gleichfalls Beauftragter für Naturschutz und Umwelt des Kreisjagdvereins Melsungen, abgegeben. Dieses Programm unterstützt den Natur und Artenschutz im hohen Maß. Der Eigentümer/Besitzer von landwirtschaftlichen Flächen erhält für das Ausbringen der "Saatgutmischung des Offenlandartenprojektes" zusätzliche finanzielle Mittel. Diese Mittel sind von dem Kreisausschuss des Schwalm Eder Kreises, über die Naturlandstiftung, aus der Jagdsteuereinnahme ( 20% der Gesamtjagdsteuer ) bereitgestellt. Es ist zum Beispiel für brachliegende Flächen eine "zusätzliche" finanzielle Förderung und gleichzeitige Bereicherung der Flora und Fauna, da das Saatgut eine ausgewogene Mischung für alle wildlebenden Tierarten ist. Vom Singvogel über Feldhuhn und Hase bis hin zum Reh profitiert das gesamte Niederwild von dem Kräuter und Samengarten.

Nach oben